top of page
20230713_200119.jpg

Die Mensur

  • Warum fechtet Ihr mit scharfen Waffen?

  • Seid Ihr stolz auf Eure Narben?

  • Gibt es bei der Mensur überhaupt Regeln?

  • Kann man sich schwer verletzen?

  • Ist die Mensur kein Relikt längst vergangener Zeiten?

Über wenige Sachen gibt es so viele Mythen, Vorurteile und Fragen, wie über die Mensur. In diesem Abschnitt möchten wir Euch einige Informationen und Fakten über das akademische Fechten vermitteln.

Die Geschichte der Mensur

Die Geschichte des studentischen Fechtens ist Teil der allgemeinen studentischen Geschichte. Im frühen Mittelalter zogen die Scholaren zum Studium nach Paris, Bologna, Padua oder Salerno. In der Fremde, an den damals internationalen Universitäten, schlossen sie sich den »Nationes« an, denen ein gewählter Student als Rektor vorstand. Die Nationes gewährten den Studenten eine Reihe wichtiger Privilegien (Steuerfreiheit gegenüber der Kommune, Schutz vor Polizei und anderen Mächten, Befreiung vom Wehrdienst, eigene Gerichtsbarkeit). Dazu gehörte auch, besonders bei der Germanischen oder Teutonischen Nation, der die Skandinavier, Balten, Schweizer und Deutschen angehörten, das Recht, Niederländer, eine Waffe zu tragen. Mit der Gründung der ersten deutschen Universitäten wurden diese Privilegien auch dort übernommen. Fecht, Reit und Tanzmeister gehörten bald zu den Lehrenden dieser Universitäten. Insbesondere der Besuch des Fechtbodens war ebenso Bestandteil der studentischen Ausbildung wie der Vorlesungsbesuch. Teils soll sogar der Ruf der Fechtschule für die Wahl der Universität ausschlaggebend gewesen sein.

Das Recht, eine Waffe zu tragen, stand von jeher dem Adel zu, der anfangs auch die Masse der Studenten stellte. Da dem Gelehrten in seiner späteren Laufbahn häufig der persönliche Adel verliehen wurde, war es verständlich, daß auch die bürgerlichen Studenten im Vorgriff auf diese spätere Aussicht das Recht beanspruchten, einen Degen tragen zu dürfen. Dieses Recht wurde bereits 1514 von Kaiser Maximilian (1459 bis 1519) in Wien verbrieft. Von diesem Zeitpunkt an trugen Adel, Würdenträger und alle Studenten den Degen.

Mag dieses Recht auch als Standesabzeichen gewertet werden, so hatte der Umgang mit der Waffe doch eine lange Tradition. Bauern, Bürger und Ritter, Zünfte, Gilden und Landsknechte erlernten den Umgang mit den jeweils üblichen Waffen, dem langen Schwert und dem kurzen Dolch, dem Dussack und dem Degen. Mit dem Erstarken der Städte waren auch die berühmten Fechtschulen entstanden. Die erste deutsche Fechtgilde, die Brüderschaft unserer lieben Jungfrau Marien und des Himmelsfürsten St. Marxen (St. MarkusBruder, Marxbrüder zu Frankfurt/Main) genossen höchstes Ansehen. Friedrich III. (1440 bis 1495) verlieh ihnen am 10. August 1487 den ersten Privilegienbrief, der bis zum 26. Oktober 1609 neunmal erneuert wurde. Karl V. (1519 bis 1536) erteilte ihnen am 13. Mai 1541 ein adeliges Wappen. Daneben entstanden die Freifechter von der Feder zum Greifenfels (Federfechter), deren Wappen offiziell am 7. März 1607 von Rudolf III. (1552 bis 1612) bestätigt wurde.

Das Tragen der Waffe, verbunden mit einem ausgeprägten Standesbewußtsein, und die unverhohlene Freude an der tatkräftigen Auseinandersetzung führten zu ständigen Raufereien unter den Studenten. Die Universitätsbehörden versuchten teils durch Verbote das Fechtwesen einzudämmen, teils durch Anstellung privilegierter Fechtmeister die gefährlichen Folgen durch besseren Waffengebrauch zu minimieren. Im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert war der aus Italien kommende Degen (Raufdegen) die allgemein zu Hieb und Stich geeignete Waffe. Zum Schutz gegen diese Waffe trug der Student damals dick gepolsterte Kleidungsstücke, denn gefochten wurde in Form des wilden, ungeregelten Duells (Rencontre), ohne Vorbereitung und ohne Sicherheitsmaßnahmen. Auf der Straße, im Freien, bei Tag und bei Nacht, wo sich ein Anlaß fand und hierzu genügten einige Schimpfworte , wurde zur Waffe gegriffen. Zur gleichen Zeit war in Spanien, Italien und Frankreich das Rapier, der Stockdegen, verbreitet (Camillo Agrippa 1553), das hauptsächlich zu Stich und Stoß diente. Bei gleichem Kraftaufwand war der Stoß schneller, genauer und wirkungsvoller als der im Bogen geschlagene Hieb. Schon die Schlacht von Benevent ging 1246 verloren, da die Franzosen durch Anwendung der schnellen Stoßtechnik die deutsche Übermacht besiegen konnten. Erst unter der Dynastie der neuen Fechtmeister Kreusler (1597 bis 1819) in Jena, Leipzig, Wittenberg und Gießen erlebte das Stoßfechten auch in Deutschland eine hohe Blüte. Durch das Wirken der Fechtmeister wurden die Raufhändel zwar nicht weniger, aber doch wesentlich unblutiger. Man lernte zu parieren, den Stößen auszuweichen und zeigte seine Kunst im Battieren und Legieren, in geschickter Ausnutzung der gegnerischen Blößen und in feinen Finten. Gefochten wurde noch an Ort und Stelle, den Anlaß gab eine Verbalinjurie, »pereat!«, die die Antwort nach sich zog: »Pereat contra; contra, steh Hundsfott!« Um die Kontrahenten schloß sich schnell ein Kreis von Neugierigen und Schaulustigen. Die Mensur wurde bei ausgestrecktem Arm von Stichblatt zu Stichblatt genommen, der linke Fuß möglichst weit nach hinten gesetzt und um den so entstandenen Abstand ein Kreis gezogen, den keiner der Paukanten bei Strafe des »Verschisses« nach rückwärts überschreiten durfte. Die Kontrahenten lüfteten den Hut und gingen sofort in die Auslage. Die Regeln waren einfach und lauteten:

  • Man achte auf möglichst wenig eigene Blößen.

  • Man biete dem Gegner ständig die Spitze, während man die Spitze der gegnerischen Waffe möglichst weit von sich ablenkt.

  • Der eigene Angriff darf die Verteidigung nicht unmöglich machen.

  • Unter mehreren Stößen verdient der sicherste den Vorzug.

Langsam machten sich jedoch Änderungen bemerkbar. Im Jenenser Mandat von 1684 ist von einem neueren Duell die Rede, bei dem erstmals Beschicksleute (Kartellträger) und Beistände (Sekundanten) erwähnt werden. Die Sekundanten waren mit einem Ziegenhainer, einem kräftigen Spazierstock, ausgestattet und standen auf der Seite des Gegenpaukanten. Sie schützten den eigenen Paukanten durch Vorhalten und konnten die gegnerische Klinge nach oben herausschlagen.

Mensur

Kontakt

Ich bin immer auf der Suche nach neuen, spannenden Möglichkeiten.

+49 (0) 175 456

Die Mensur heute

Die Mensur heutzutage ist weiterhin eine Mutprobe, welche wir von allen

Mitgliedern erwarten, jedoch spielen Sicherheit und Regeln eine sehr

große Rolle. Auf der Mensur muss keiner mehr um sein Leben fürchten

und auch schwere Verletzungen sind Dank umfangreicher Schutzausrüstung

ausgeschlossen. Treffer sind nur noch auf dem Kopf möglich und Hals,

Augen und Nase sind geschützt. Zudem stehen bei unseren sog. 

Pauktagen immer erfahrene und approbierte Ärzte bereit. Wir fechten auch

nicht um Wunden (Schmisse) zu kassieren, sondern um zu zeigen, dass

wir auch in Extremsituationen für unsere Gemeinschaft einstehen,

Paukboden
bottom of page